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UX Research · Product Design · Bootcamp

Buddy First: Wie aus Hobby-Vernetzung echte Verbindung wächst

Eine vollständige UX Case Study über 5 Monate: von der ersten Nutzerrecherche über Problem-Reframing und Wireframes bis zu Usability Tests mit echten Nutzenden. Das Projekt zeigt meinen gesamten UX-Prozess: Research, Synthese, Konzeption, Testing.

Kontext

Digitale Leute School Bootcamp

Zeitraum

2025, 5 Monate

Rolle

UX Research, Konzeption, Wireframing, Usability Testing

Tools

Figma, Miro, Umfragen

Buddy First Research

Die Ausgangsfrage

Wie können Menschen sich über gemeinsame Hobbys vernetzen?

Das Projekt begann mit einer breiten Frage. Ich wählte einen gemischten Research-Ansatz: qualitative Tiefeninterviews für persönliche Einblicke und eine quantitative Umfrage für Muster auf breiter Basis.

Research

3 Interviews. 21 Umfrage-Teilnehmende. Klare Muster.

61,9%

nennen Unsicherheit als größte Hürde beim Knüpfen neuer Kontakte

57%

finden Gleichgesinnte über Freunde, nicht über Apps

57,1%

üben ihr Hobby mehrmals pro Woche aus

Zwei Zitate aus den Interviews die den Kern des Problems zeigen:

"Meine Horrorvorstellung ist, dass alle schon miteinander reden und ich alleine dastehe."

"Ich habe einfach nicht viel Zeit, dann muss sich das auch wirklich lohnen."

📋 Affinity Map / Research Ergebnisse buddy-first-affinity-map.png

Problem Reframing

Das eigentliche Problem war ein anderes.

Mein Problemraum veränderte sich mehrfach durch die Research. Das war kein Fehler, sondern Teil des Prozesses:

Start

Wie finden Menschen andere mit ähnlichen Hobbys?

Refram.

Wie entstehen aus diesen Kontakten nachhaltige Verbindungen?

Kern

Das eigentliche Pre-Problem: Der erste Schritt fehlt. 61,9% nennen Unsicherheit als größte Hürde.

HMW-Frage: "Wie können wir Sarah dabei helfen, eine neue Bekanntschaft über ihr Hobby zu initiieren?"

Vom Finden zum Verbinden

Persona

Sarah: die Nutzerin im Mittelpunkt.

Sarah, 33

Data Science Consultant

Vor kurzem nach Hamburg gezogen. Sucht neue Kontakte über Hobbys (K-Pop, Escape Rooms, Wandern), fühlt sich in Gruppen schnell unsicher und bevorzugt kleine, wiederkehrende Treffen.

Die Designentscheidung

Nicht die Gefühle verändern. Die Situation.

Aus der Research entstanden zwei Lösungsrichtungen. Die Entscheidung basierte auf einem klaren Prinzip: Menschen ändern ihr Verhalten leichter, wenn die Umstände sich ändern, nicht wenn man sie ermutigt.

Option A: Social Assistant

Ein KI-Assistent ermutigt Sarah, alleine zu Events zu gehen und dort Leute anzusprechen. Verändert nur die Einstellung, nicht die Situation.

Option B: Buddy First ✓

Ein Matching-System verbindet Sarah vorab mit jemandem, damit sie nicht alleine erscheint. Verändert die Situation, nicht die Person.

Lösungsansätze Das Designprinzip

Competitor Analyse

Person-first statt Event-first.

Bestehende Apps wie Meet5 und Meetup sind Event-first: Sarah sucht ein Event, meldet sich an, hofft dass jemand da ist. Buddy First ist Person-first: zuerst eine konkrete Person finden, dann gemeinsam hingehen. Ausserdem zeigte die Analyse klare Dark Patterns bei Meet5:

FOMO-Druck durch Benachrichtigungen über verpasste Meetups

Attention Grabbing durch unzählige Push-Benachrichtigungen

Wichtige Funktionen hinter teurer Paywall versteckt

Meet5 Competitor Analyse

Profilgestaltung

Psychologie der Sympathie: Wie entsteht Vertrauen in Sekunden?

Eine zentrale Designfrage war: Wie muss ein Profil gestaltet sein, damit Sarah wirklich Lust hat, jemanden anzuschreiben? Ich habe mich psychologisch damit beschäftigt, wie Menschen in Sekunden Sympathieentscheidungen treffen.

Wärme vor Kompetenz

Sympathie basiert stark auf wahrgenommener Wärme, erst dann auf Kompetenz. Das Profil muss Persönlichkeit und Intention zeigen, bevor es Fähigkeiten kommuniziert.

Persönlichkeit zuerst

Statt sofort ein Foto zu zeigen, entschied ich mich für einen Icebreaker als ersten Eindruck: z.B. "Ich bouldere seit 6 Monaten und bin endlich bereit, nicht mehr alleine zu gehen." Dann kommt das Foto.

Profil-Struktur: Icebreaker Prompt, dann Foto, dann Tags (Life Stage, Time Commitment, Ambition), dann Hobby-Foto. Das unterscheidet Buddy First von Dating-Apps wie Bumble, wo das Foto immer an erster Stelle steht.

Wireframes

Von der Idee zum ersten Prototyp.

Der MVP-Flow fokussiert sich auf einen klaren Übergang: Person finden, Kontakt aufnehmen, gemeinsam hingehen. Die Navigation spiegelt das wider mit fünf Bereichen: Connect, Chat, Plans, Waves, Profil.

Wireframes Auswahl
📱 Figma Prototyp: Profil Screen buddy-first-prototype-profile.png
📱 Figma Prototyp: Match Screen buddy-first-prototype-match.png

Usability Testing

Annahmen mit echten Nutzenden überprüfen.

Nach den ersten Wireframes führte ich Usability Tests mit einem strukturierten Testskript durch. Das Szenario war nah an der Persona: "Du bist neu in München und möchtest jemanden finden, der auch näht." Zwei zentrale Fragen standen im Mittelpunkt:

Profil-Sympathie

Macht das Profil Lust, jemanden anzuschreiben? Was war der erste Eindruck? Hat etwas gestört?

Match zu Treffen

Ist der Übergang vom Match zum konkreten Treffen verständlich? Wo zögern die Testpersonen?

🧪 Usability Test Dokumentation / Testskript buddy-first-usability-test.png

Ethische Verantwortung

Design mit Haltung.

Kein FOMO-Druck

Keine Benachrichtigungen über verpasste Events

Kernfunktionen für alle

Keine wichtigen Features hinter Paywall

Kognitive Barrierefreiheit

Klare, einfache Sprache und Navigation

Bedachte Einladungen

Keine Spam-Benachrichtigungen

Erfolgsmessung

Wie wird der Erfolg messbar?

Engagement

Führt ein Match zu einem gemeinsamen Treffen?

  • Match und Chat: App Tracking
  • In-App Survey "Habt ihr euch getroffen?"

Retention

Bleiben Matches in Kontakt oder treffen sich erneut?

  • In-App Survey "Seid ihr zusammen gegangen?"
  • App Tracking bei erneutem Matching

Was ich dabei gelernt habe

UX Research: qualitative Interviews, Surveys und Affinity Mapping durchführen und auswerten

Problem Reframing: den Mut haben, die ursprüngliche Frage loszulassen wenn Research etwas anderes zeigt

Psychologie im Design: wie Sympathie und Vertrauen entstehen und wie Profilgestaltung das aktiv beeinflussen kann

Usability Testing: mit echtem Testskript arbeiten und Annahmen mit Nutzenden überprüfen statt selbst zu entscheiden

Ethik im Design: aktiv gegen Dark Patterns entscheiden und diese Haltung im Konzept verankern

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